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Linkes Wörterbuch

Was bedeutet eigentlich „Profit“? Ihr redet immer wieder von „Enteignung“, was meint ihr denn damit? Und was versteht ihr eigentlich unter „Revolution“?

Diesen Fragen gehen wir in unserem linken Wörterbuch nach und möchten unser Verständnis der Begrifflichkeiten zugänglich und diskutierbar machen. Wir möchten dazu beitragen, diese Begriffe besser zu verstehen die Diskussion über die Herausforderungen unserer Zeit zu fördern.

Die Begriffe gibt es u.a. im Stadtteilzentrum Gasparitsch auch als gedruckte Postkarten.


Enteignung

/Enteígnung/ Substantiv, feminin [die]

Etwas von Privateigentum in gesellschaftliches Eigentum überführen

In einer Gesellschaft, in der Ausbeutung und Unterdrückung an der Tagesordnung sind, stellt die Enteignung einen Schritt in Richtung sozialer Gerechtigkeit dar.

Enteignung ist ein Prozess, bei dem Eigentum oder Vermögen einer Person oder Gruppe einer tatsächlichen gesellschaftlichen Kontrolle unterliegt. Es geht nicht darum, dass persönliche Gegenstände wie eine Zahnbürste oder Ähnliches weggenommen werden sollen.

Es geht vielmehr um die Überführung von Eigentum oder Vermögen der Unternehmen und Individuen in die Hände der Gesellschaft, um den erwirtschafteten Wohlstand gerechter zu verteilen.
Dieser Ansatz zielt darauf ab, den geschaffenen Wohlstand demokratisch nach den Bedürfnissen der Menschen zu organisieren, anstatt dass er hauptsächlich in den Händen weniger Privilegierter bleibt.
Es geht darum, dass die Ressourcen und Produktionsmittel, die von der Gesellschaft produziert und genutzt werden, auch in Hand der Gesellschaft bleiben und ihr zugutekommen sollen. 

Privateigentum

/Priváteigentum/ Substantiv, Neutrum [das]

privates, jemandem persönlich gehörendes Eigentum

Privates Eigentum, vor allem an Produktionsmitteln, bildet die Grundlage kapitalistischer Verwertung. Durch privaten Besitz und Kontrolle von Produktionsmitteln (also all jener Dinge, die benötigt werden, um Waren für den kapitalistischen Markt zu produzieren) eignen sich Besitzer dieser die Arbeit der vielen an, welche nicht selbst im Besitzt von Produktionsmitteln stehen. Private Personen oder auch Konzerne, Banken etc. sind durch das private Eigentum in der Lage, die von der Gesellschaft geleistete Arbeit und die daraus entstehenden Produkte und Ideen in ihren Besitz zu nehmen und dadurch über diese zu verfügen.

Was wann, von wem und zu welchem Zweck hergestellt wird, entscheidet nicht der Großteil der Bevölkerung, welche tatsächlich produziert und konsumiert. Dies tun die, welche der Klasse derjenigen angehören, welche die Produktionsmittel ihr eigen nennen und durch diese Reichtum besitzen und Macht ausüben.

Im Jahr 2023 verfügten in der BRD einer Studie von Oxfam zufolge zwei Einzelpersonen mehr Vermögen als 42 Millionen Menschen. Offizielle Statistiken gibt es hierzu nicht.


Profit

/pʀoˈfit/ Substantiv, maskulin [der]

Gewinn, Nutzen, den jemand aus etwas zieht, von etwas hat

Der Profit ist der Überschuss, welchen Kapitalistinnen nach dem Abzug ihres investierten Kapitals durch die Ausbeutung der Arbeiterinnen generieren. Er ist Ziel und Zweck der kapitalistischen Produktionsweise. Alle unternehmerischen Handlungen sind nur scheinbar auf die Versorgung oder das Allgemeinwohl ausgelegt, dienen aber letztlich nur der Erwirtschaftung von Profit. Eine Ware wird nur produziert, so lange sie Profit abwirft, nicht aber davon abhängig, ob sie benötigt wird. So steht der Profit in den herrschenden Verhältnissen immer über den Interessen und Bedürfnissen der Menschen.

Im Zuge des kapitalistischen Wettbewerbs muss der Profit fortwährend gesteigert werden. Dies bedeutet einerseits zunehmende Ausbeutung der Arbeitskraft durch Arbeitsverdichtung, Senkung der Produktionskosten sowie sinkende Reallöhne.

Andererseits führt der Zwang zur Profitmaximierung auch dazu, dass immer neue Wege zur Profitgenerierung gegangen werden – nach und nach wird jedes mögliche Gut vermarktet. Bspw. werden vermeintlich kostenlose Dienstleistungen wie Social Media zum Verkauf von Daten genutzt oder aber Wasser der Allgemeinheit entzogen und dieser erst wieder über Konzerne, welche sich gut dafür bezahlen lassen, zugänglich gemacht.

Revolution

/ʁevoluˈt͡si̯oːn/Substantiv, feminin [die]

Tief greifende Wandlung; umwälzende, bisher Gültiges, Bestehendes o. Ä. verdrängende, grundlegende Neuerung

Die Revolution ist eine radikale Veränderung der herrschenden politischen, sozialen, ökonomischen oder gesellschaftlichen Bedingungen und verursacht damit eine grundlegende Neuerung der Verhältnisse. D.h. eine Revolution bricht mit den bisherigen Funktionsweisen des Systems und wird damit zur Keimzelle von etwas Neuem, etwas, das grundsätzlich anders funktioniert als das Bisherige.

Wenn wir also von einer Revolution sprechen, dann streben wir eine Umwälzung der herrschenden kapitalistischen Verhältnisse an, in der die grundlegenden Funktionsweisen des Kapitalismus – der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung des Reichtums, dem ständigen Streben nach Profitmaximierung und Verwertung von Kapital – durchbrochen werden und damit die Basis für eine solidarische Gesellschaft geschaffen wird. Eine Gesellschaft, in der statt des Profits der Mensch und dessen Bedürfnisse an erster Stelle steht.

Um dies zu erreichen, reicht kein einmaliger Akt, kein Umsturz oder Staatsstreich aus. Es benötigt einen permanenten Prozess der Revolution, der von der Gesellschaft im Diskurs, im Handeln und im Alltag verhandelt und getragen wird und die solidarische Gesellschaft kontinuierlich gestaltet.

Dies geht weit über den oft fälschlicherweise auf einen Gewaltakt reduzierten Revolutionsbegriff hinaus, der bewusst verschleiert, dass die Gewalt während einer Revolution von denjenigen ausgeht, die das Neue verhindern und ihre Herrschaft verteidigen wollen – im Zweifel auch auf Kosten von Menschenleben.

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