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Frauenkampf

Stoppt Femizide! Urteil des OLG wegen des Mordes an Alye Shojaye

👉 vor sieben Monaten wurde Alye Shojaye auf offener Straße in Stuttgart-Nord von ihrem Ehemann ermordet. Am Donnerstag wurde das Urteil im Prozess gegen den Mann gesprochen.

👉 wir waren zusammen mit Frauen der Plattform “FrauensolidaritĂ€t Europa” mit Transparent und Rede vor Ort, um darauf aufmerksam zu machen, dass Gewalt gegen Frauen keine Einzeltaten sind sondern System haben.

Hier der wortlaut unserer Rede:

Liebe Passantinnen und Passanten, liebe Genossinnen und Genossen, liebe Frauen,

Wie wir schon gehört haben gibt es heute die UrteilsverkĂŒndung im Prozess um die Ermordung von Alye Shojaye. Wir sind heute hier, um zu verdeutlichen das diese Gewalttat kein Einzelschicksal ist und auch kein Eifersuchtsdrama. Wir mĂŒssen solche Taten als das bennen was sie sind: Femizide.

Gewalt gegen Frauen* hat viele verschiedene spezifische Ausformungen. Die hĂ€ufigsten Übergriffe auf Frauen* finden im hĂ€uslichen Umfeld durch (Ehe-)Partner oder mĂ€nnliche Familienmitglieder statt. Über psychische, emotionale, physische oder sexuelle Angriffe wird die Frau* in ihrem Erscheinungsbild, ihren Entscheidungen und Verhaltensweisen kontrolliert und konditioniert und dadurch der Besitzanspruch ĂŒber die Frau* und ihren Körper durchgesetzt.

Frauen* unterliegen permanent Eingriffen in ihre körperliche Gesundheit sowie ihre Selbstbestimmung. Der Femizid ist dabei die Ă€ußerste und drastischste Form von Gewalt gegen Frauen*.

Im Folgenden ein Zitat einer guatemaltekischen AnwÀltin:

„Wir glauben, dass Frauenmorde und Gewalt an Frauen Resultat der historisch ungleichen MachtverhĂ€ltnisse von MĂ€nnern und Frauen sind. Sie sind Teil einer patriarchalen Kultur, in der die Frauen besessen und benutzt werden“ – Zitatende!

Wie kann das alles möglich sein?

Wir leben in einer Welt, in welcher Frauen* systematisch unterdrĂŒckt werden: durch das Patriarchat und durch den Kapitalismus.

Das Patriarchat ist eine Herrschaftsform, die die UnterdrĂŒckung der Frau* durch den Mann beinhaltet. Es ist ohne tatsĂ€chlich körperliche und psychische Gewalt und eine permanent angedrohte Gewalt nicht durchsetzbar.



Gewalt gegen Frauen* ist notwendig, um die herrschende patriarchale Geschlechterordnung zu bewahren. In allen HerrschaftsverhÀltnissen ist Gewalt elementarer Bestandteil, um diese aufrecht zu erhalten. Dies gilt in weiten Teilen der Gesellschaft als unhinterfragte SelbstverstÀndlichkeit.

Wir leben zeitgleich in einem kapitalistischen System, das auf Ausbeutung, UnterdrĂŒckung und einer Logik der Verwertung beruht. Die kapitalistische Maschinerie profitiert vom Patriarchat, hat dessen Wirkmechanismen integriert und sich zu Nutze gemacht. Denn das Patriarchat bietet mit seinen, den Geschlechtern zugewiesenen und zementierten Rollenbildern, einen großen Vorteil fĂŒr die kapitalistische Mehrwertproduktion.
 So verĂŒben Frauen* in unserer Gesellschaft etwa 80% der unbezahlten Haus – und Sorgearbeit wie Putzen, Kochen, Waschen und insbesondere die Kindererziehung. Es entstehen ökonomische AbhĂ€ngigkeiten der Frau* gegenĂŒber dem Mann, welche durch gesellschaftliche Konstrukte, wie z.B. der Ehe noch zementiert und gesetzlich festgeschrieben werden. Diese AbhĂ€ngigkeiten bieten der patriarchalen Gewalt einen NĂ€hrboden, da sich die Frau* in einer benachteiligten Situation gegenĂŒber dem Mann befindet.

Wir mĂŒssen den Kampf gegen das Patriarchat aktiv und von unten organisiert fĂŒhren. Bestehende Rollenbilder mĂŒssen hinterfragt und die herrschende patriarchale Geschlechterordnung aufgebrochen werden.
 
Es muss RĂ€ume geben, in denen Frauen* fĂŒr sich alleine arbeiten, sich und ihr Umfeld fĂŒr die Thematik sensibilisieren, sich bilden, empowern und letztlich politisch organisieren können, um ihre Interessen auf die Straße zu tragen. Deswegen stehen wir auch heute hier, um die begangene Tat zu skandalisieren und Alye Shojaye nicht zu vergessen. 



Nur im gemeinsamen Kampf gegen Patriarchat und Kapitalismus kann ein kollektives Bewusstsein ĂŒber die gemeinsame StĂ€rke erlangt werden und ein Schritt in Richtung befreite Gesellschaft gegangen werden! FĂŒr uns gilt es, die Spaltung zwischen Geschlechtern und die Zurichtung auf spezifische Rollen zu durchbrechen und kollektiv antipatriarchale und antikapitalistische SolidaritĂ€t zu entwickeln, um der herrschenden Gewalt gegen Frauen* und besonders Femiziden ein Ende zu bereiten.

Gewalt gegen eine ist Gewalt gegen alle!

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