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Solidarisch gegen Patriarchat, Kapital und Faschismus – Bericht zur Kundgebung am 1. Mai in Stuttgart-Ost

Am diesjährigen 1. Mai haben sich mehr als 100 Menschen an der Kundgebung „Für ein solidarisches Miteinander“ im Stuttgarter Osten beteiligt und sind damit gemeinsam für einen solidarischen Stadtteil eingestanden.

In den Reden wurde auf verschiedene Aspekte, die für ein solidarisches Miteinander eine Rolle spielen, eingegangen:

  • Die Freie ArbeiterInnen Union ging auf das Thema Arbeitszeitverkürzung ein und auf die Historie des 1. Mai.
  • Das Frauenkollektiv Stuttgart thematisierte, warum Frauen einem ständigen Gefühl der Unsicherheit ausgesetzt sind und wie dagegen vorgegangen werden kann.
  • Im Grußwort des Stadtteilzentrum Gasparitsch wurde am Beispiel des Gasparitsch erörtert, was es konkret heißt, Solidarität zu leben und aufzubauen.
  • Die Sozialistische Arbeiterjugend Stuttgart (SDAJ) ist in ihrem Beitrag darauf eingegangen, was der 1. Mai mit Schüler*innen und Student*innen zu tun hat.
  • Die organisierte Autonomie aus Nürnberg schickte ein solidarisches Grußwort von der revolutionären 1. Mai Demo an die Kundgebung.
  • Zusammen Kämpfen bildete den Abschluss und näherte sich dem Thema und der Begrifflichkeit Solidarität an und was dies im Konkreten bedeutet.

Zusätzlich konnte sich an diversen Infotischen mit Materialien über den 1. Mai und zu zahlreichen weitere Themen informiert werden. Das musikalische Programm wurde von Moni Ramoni gestaltet.

Zur Kundgebung hatten, auf Initiative von Zusammen Kämpfen Stuttgart, auch die Freie ArbeiterInnen Union Stuttgart, das Frauenkollektiv Stuttgart, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Stuttgart und die Sozialistische Jugend – Die Falken Stuttgart zur Kundgebung aufgerufen.

Weitere Aktivitäten vor und an dem 1. Mai

Die Mobilisierung zum 1. Mai selbst hat schon weit vor dem 1. Mai stattgefunden: Tausende Flyer wurden in Stuttgart-Ost verteilt, Plakate verhängt und zahlreiche Gespräche bei einem Infotisch geführt. Darüber hinaus wurden von Aktivist*innen auch verschiedene Vorfeldaktionen durchgeführt, bei denen große Plakate im Stadtteil verhängt wurden.

Am 1. Mai selbst haben neben der für uns zentralen Kundgebung im Stuttgarter-Osten auch in diesem Jahr wieder die Gewerkschaftsdemo und die revolutionäre 1. Mai Demo stattgefunden.

Außerdem hat das Stadtteilzentrum Gasparitsch ein ToGo Angebot mit Kaffee & Kuchen, warmen Essen, Kinderprogramm ToGo und weiteren Highlights organisiert (https://www.gasparitsch.org/1-mai-fest-2021/).

Zusammen Kämpfen Stuttgart,
2. Mai 2021

Reden

Im Folgenden dokumentieren wir unsere Rede, sowie die Reden des Frauenkollektivs Stuttgart, des Stadtteilzentrum Gasparitsch, sowie das Grußwort der organisierten Autonomie aus Nürnberg, die uns ihre Reden zur Verfügung gestellt haben.

Zusammen Kämpfen | Frauenkollektiv | Gasparitsch | organisierte Autonomie

Rede von Zusammen Kämpfen Stuttgart

Liebe Genossinnen und Genossen,
Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,
Liebe Stuttgarterinnen und Stuttgarter,

wie jedes Jahr ist wieder erster Mai – Kampftag der lohnabhängigen Klasse – Feiertag der Arbeiter*innenbewegung – unser Tag.

Ein Tag voller Tradition, Pathos, Historie und politischem Inhalt. Auch wir sind heute hier, um gemeinsam den ersten Mai zu begehen. Unter dem Motto: „#Solidarität – für ein solidarisches Miteinander“ haben wir uns heute versammelt, um unsere Vorstellungen einer besseren Gesellschaft und Produktionsweise auf die Straße zu tragen, dafür zu werben, zu streiten und zu kämpfen.

Solidarität – ein wahrlich schwerwiegender Begriff. Das solidarische Miteinander eine Utopie?

Der Begriff Solidarität ist in letzter Zeit fast inflationär durch Gesellschaft, Politik und Medien gegeistert. Wie fast immer, wenn sich ganze Gesellschaften in einer Krise befindet. Doch was bedeutet Solidarität eigentlich, gerade wenn Sprache auch Ausdruck eines Herrschaftsverhältnisses ist? Oder was verstehen wir unter dieser Begrifflichkeit bzw. was sollten wir mit rationalem Denken darunter verstehen?

Die einen verstehen unter Solidarität und einem solidarischen Miteinander einen Sozialstaat der Lebensrisiken ausgleicht. Also eine Form des Ausgleichs für sozial niedriger Gestellte.
Andere denken bei Solidarität nur an einen respektvollen Umgang untereinander und Rücksichtnahme – sprich an eine moralische Kategorie.

Wiederum andere – meist das Kapital – sehen im Begriff eher das Matthäus-Prinzip: „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. “

So geschieht es zurzeit zumindest in großen Teilen der hiesigen Wirtschaft. Egal ob Daimler, Bosch oder Porsche, bei allen sehen wir ein ähnliches Vorgehen. Die Beschäftigten gehen in Kurzarbeit, verzichten auf Entgelt oder verlieren ihren Job, während Rekordgewinne eingefahren werden.

Gleiches gilt für den Staat, zwar nicht bei den Gewinnen, aber bei der Haltung gegenüber dem Matthäus-Prinzip. Milliarden Steuergelder werden zur Verfügung gestellt, um ein System am Laufen zu halten, von dem nur wenige wirklich profitieren. Gleichzeitig werden aber bei denjenigen diese hohen Ausgaben wieder eingespart, die dieses System tatsächlich am Laufen halten.
Solidarität bedeutet hier nämlich, dass das Klatschen am Abend reichen muss. Bessere Arbeitsbedingungen in den wirklich systemrelevanten Bereichen – also in den Bereichen der Pflege, der Kinderbetreuung, in den Krankenhäusern, in der Abfallwirtschaft, ja in der gesamten öffentlichen Daseinsvorsorge – davon ist hier nicht die Rede. Auch nicht davon, dass diese dann nach überstandener Covid-19 Pandemie für diese Kosten zur Kasse gebeten werden.

Und für die hiesigen Regierungen bedeutet Solidarität bitte sich in jeglichem Freizeitverhalten einzuschränken aber gleichzeitig zu verlangen pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Nur einige zugegeben die aktuelle Wirklichkeit widerspiegeln und unterstreichen. Solidarität bedeutet in diesem System also solidarisch mit allem zu sein, was es am Laufen hält. Also alles was der Akkumulation von Kapital dient oder anders gesprochen der Profitmaximierung nicht widerspricht.

Eine Form von Solidarität die nicht unsere ist. Keine Solidarität der Arbeitenden. Also derjenigen, die jeden Tag den gesellschaftlichen Reichtum produzieren aber nicht über diesen bestimmen oder verfügen können. Keine Form derer dessen Mitspracherechte sich nur auf den Gang zur Wahlurne und dessen Inszenierung beschränken. Keine Form von Solidarität die wir als lohnabhängige Klasse entwickelt und die unsere Interessen als Klasse beinhaltet.

Für uns ist Solidarität eben genau das Entgegengesetzte zu dem, wie Kapital und Staat sich diesen Begriff aneignen, umdeuten und für seine Interessen vereinnahmen. Solidarität ist unser Praxisansatz genau mit diesen Interessen von Kapital und Staat zu brechen. Es ist unsere Versuch Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu finden, die sich eben nicht nur dem Diktat des Profits und der Kapitalakkumulation unterwerfen. Ein Zusammenleben, das versucht sich aus der Herrschaft der Konzerne, der Banken, der herrschenden Klasse – kurz dem Kapital zu lösen.

Konkret es geht darum zu versuchen ein Leben, ein Interagieren als Menschen entlang unsere Interessen zu gestalten und zu denken. Dabei steht nicht im Vordergrund, ob und wieviel der Konzern, das Unternehmen, der Laden XY an Profit erwirtschaftet oder wie wir ein System am Leben erhalten, das nur einer Minderheit dient. Im Vordergrund steht, wie wir uns kollektiv versorgen, entwickeln und unsere Bedürfnisse als Mensch an sich befriedigen können. Im Vordergrund stehen welche Produkte, welche Infrastruktur oder welche gesellschaftlichen Prozesse dafür benötigt werden und wie diese produziert, errichtet oder gestaltet werden müssen, um ein gutes Leben für uns alle zu erreichen.

Solidarität ist für uns dabei die Handlungsmaxime, die es uns ermöglicht dem Kapitalismus, seiner Konkurrenz, seiner Ausbeutung und Unterdrückung und unserer systembedingten Unfreiheit etwas entgegenzusetzen. Sie ist unser (versuchter) Bruch mit den bestehenden Verhältnissen. Sie ist unsere Absage an Konkurrenz und an das sich tagtägliche wiederholende mörderische Spiel „Jede und Jeder gegen Jede und Jeden“ im Kapitalismus.

Solidarität ist das, was wir gemeinsam im Großen oder Kleinen entwickeln und erlernen können. Das beginnt in der Partnerschaft, in der Nachbarschaft, im Betrieb, in unserer Community, in unserem Stadtteil. Das beginnt heute hier und jetzt mit dieser Kundgebung, mit allen Aktivitäten rund um den ersten Mai und macht nicht vor Herkunft oder sozialem Status halt. Dieser Prozess ist es der uns wirkmächtig werden lässt gegen die alltäglichen kapitalistischen Zumutungen.

Lasst uns gemeinsam diese Erfahrung machen.
Lasst uns Solidarität jenseits der leeren Versprechungen von Staat und Kapital anhand unserer Bedürfnissen und Interessen organisieren. Gemeinsam – antifaschistisch, internationalistisch und antipatriarchal.

Zusammen Kämpfen für eine solidarische Gesellschaft.

< Zu den Reden

Rede des Frauenkollektiv Stuttgart

Liebe Genoss*innen, Liebe Kundgebungsteilnehmer*innen

Frauen und Mädchen wird früh beigebracht, dass sie nachts nicht alleine durch den Park laufen und sich züchtig kleiden sollen, um nicht zu Opfern männlicher Übergriffe zu werden. Damit wird zumindest implizit behauptet, Frauen und Mädchen seien zum Teil auch selbst schuld an diesen Übergriffen. Nicht das männliche Verhalten wird kritisiert, sondern die Frauen, die dieses Verhalten angeblich provozieren würden.

Damit wird Frauen vermittelt, sie befänden sich in einem permanenten Zustand der Bedrohung, dem sie nur durch eigene Anpassung entkommen könnten. Frauen werden zu reagierenden Objekten degradiert, die sich der patriarchalen Gewalt nur entziehen können, wenn sie sich quasi unsichtbar machen. Dabei wird diese patriarchale Gewalt als etwas naturgegebenes dargestellt, weil Männer und Frauen angeblich einfach so sind, wie sie sind. Doch das ist eine Erzählung und Ideologie. Das Patriarchat und der mit ihm verwobene Kapitalismus sind trotz ihrer schieren Undurchdringlichkeit von Menschen gemachte Systeme. Deswegen können sie auch von Menschen verändert und abgeschafft werden.

Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelphänomen, sondern sie ist alltäglich. Statistisch gesehen ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Wie so oft hören wir in den Medien, dass eine Frau Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Auch im Stuttgarter Osten wurde letzten Herbst eine Frau in den Schlossgartenanlagen auf ihrem Nachhauseweg vergewaltigt. Das zeigt nur zu gut, welcher alltäglichen Gewalt Frauen ausgesetzt sind.

Mädchen und Frauen machen etwa 50 % der Weltbevölkerung aus, ohne sie wäre eine Gesellschaft überhaupt nicht möglich. Trotzdem werden Frauen sowohl hierzulande als auch global immer noch in hohem Maße unterdrückt und ausgebeutet. Und das nur, weil sie als Frauen angeblich von Natur aus schwach und unterwürfig sind und darum die Führung der angeblich von Natur aus dominanten und starken Männer bedürfen. Dieser Zustand ist so weit verbreitet und bereits so alt, dass er Teil des kollektiven weiblichen Gedächtnisses wurde. Doch wir wollen das nicht hinnehmen. Die Probleme der Männerherrschaft benennen und analysieren, um Frauen so zu handelnden Subjekten zu machen. Darum wollen wir hinsehen statt wegsehen, wenn Frauen von Männern unterdrückt, misshandelt oder ermordet werden. Dem kollektiven Wegsehen der Gesellschaft stellen wir unser eigenes Hinsehen entgegen und aus der passiven Wut wollen wir aktives Handeln und Kämpfen werden lassen.

Wir müssen uns zusammenschließen und dagegen wehren, dass wir in der Öffentlichkeit klein gehalten werden. Wir wollen Räume schaffen, in denen es keine Geschlechterhierarchien gibt und Frauen sich trauen, ja sogar gefordert werden, zu sprechen. Wir wollen ein sicheres Umfeld erleben, in dem Frauen sich ermutigt fühlen ihre Komfortzone zu verlassen. Wir wollen gemeinsam Aktionen, Kneipen und Veranstaltungen organisieren, bei denen wir nur unter Frauen sind. Wir müssen uns mit anderen Frauen solidarisieren und auf unterschiedlichste Art und Weise laut und deutlich werden. Seid solidarisch, wenn ihr seht, dass eine Frau belästigt wird. Helft euch im Beruf und unterstützt euch gegenseitig.

Um uns Räume auch in der Öffentlichkeit zurückzuerobern, ist es wichtig sichtbar zu sein

Unser Ziel ist es damit zum Ausdruck zu bringen, dass wir die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft nicht akzeptieren. Wir werden immer mit dem Finger auf die eigentlichen Probleme zeigen. Nicht die Frauen müssen sich ändern, vorsichtiger oder besser im Kampfsport werden, um unversehrt durchs Leben zu kommen. Die Gesellschaft und das System müssen sich ändern.

Wir nehmen uns den öffentlichen Raum, um unsere Forderungen sichtbar zu machen und als Frauen präsent zu sein. Wir wollen uns die Straße nehmen, unsere Wut in die Öffentlichkeit tragen, laut sein und gehört werden.

Denn Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die Leben. Lasst uns das System aus den Angeln heben.

< Zu den Reden

Grußwort des Stadtteilzentrum Gasparitsch

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde,

wenn es nur eine einzige Leitlinie für das Stadtteilzentrum Gasparitsch geben müsste, dann würde sie lauten „Für ein solidarisches Miteinander“. Daher freue ich mich heute hier im Namen des Stadtteilzentrum Gasparitsch sprechen zu können und das Projekt eines selbstorganisierten Stadtteilzentrums vorstellen zu können.

Denn der Grundgedanke eines solidarischen Miteinanders ist im Stadtteilzentrum Gasparitsch tief verankert und wir versuchen seit unserer Entstehung diesen hier – im Stuttgarter Osten – voranzutreiben. Als Leitlinie diente dabei unser Namensgeber, Hans Gasparitsch, der mit seinem antifaschistischen Engagement ein Vorbild für solidarisches Handeln und den Aufbau eines solidarischen Miteinanders war und weiterhin ist.

So haben wir uns vor nunmehr über 6 Jahren als Stadtteilzentrum auf den Weg gemacht einen selbstorganisierten und unabhängigen Raum für Kulturelles, Politisches und Soziales in Stuttgart-Ost zu schaffen, um einen Raum entstehen zu lassen, der von den Menschen in Stuttgart-Ost genutzt werden kann und der für diese auch da ist – unabhängig von staatlichen Institutionen und so weit es geht unbürokratisch.

Unser Ziel dabei ist der konkurrenzgetriebenen „Ellenbogen“-Mentalität und der damit verbundenen Individualisierung und Vereinzelung ein Schnippchen zu schlagen und damit unseren Teil zum Aufbau einer solidarischen Kultur und eines solidarischen Miteinanders beizutragen.

Konkret bedeutet das für uns, dass wir ein Raum sein wollen, der für alle da ist. Ein Raum, der als Begegnungsstätte von unterschiedlichsten Menschen dienen kann und damit auch ein Ort an dem gemeinsame Interessen entdeckt werden können.

Aber es bedeutet auch durch Getränke auf Spendenbasis und durch kostenlose Angebote wie Hausaufgabenbetreuung, Sport und Veranstaltungen allen eine Teilhabe an politischen, kulturellen und sozialen Ereignissen zu ermöglichen, sowie damit den Raum für eine solidarische Debatten- & Diskussionskultur zu bereiten.

Diese Punkte dienen dabei unserer Meinung nach als Basis für ein solidarisches Miteinander und sind ins Besondere in Krisenzeiten ein wichtiger Bestandteil für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft und für den Zusammenhang einer Gesellschaft.

Gerade in der Corona Krise wird dabei deutlich wie wichtig soziokulturelle Räume wie das Gasparitsch nunmal sind: Durch die Einschränkung des privaten gesellschaftlichen Lebens schreitet die Individualisierung und Vereinzelung zunehmend voran und führt zur Vereinsamung und Isolation.

Räume wie das Stadtteilzentrum Gasparitsch durchbrechen dabei diese Vereinzelung, in dem unabhängig von Geldbörse, Herkunft und anderen Eigenschaften unterschiedlichste Menschen zusammenkommen und kollektive Momente schaffen – und das auf vielfältige Art und Weise: Es gibt Konzerte, Bandproben und Kneipenabende, Kinder gehen zur Hausaufgabenbetreuung und basteln gemeinsam, es gibt Selbstverteidigungsangebote, Nachbarschaftsfrühstücke, es werden Feste gefeiert und vieles mehr.

Und auch wenn dies aktuell durch die Corona Pandemie nicht im gewohnten Ausmaß möglich ist, so versuchen wir auch weiterhin kollektive Momente zu ermöglichen und einen Raum zu schaffen, der weiterhin für kollektive Erfahrungen genutzt werden kann. Sei es dadurch, dass wenn ihr nicht zum Gasparitsch kommen könnt, wir das Gasparitsch zu euch bringen. Sei es dadurch, dass wir uns digitale Ausweichmöglichkeiten für Treffen, Veranstaltungen, Frühstücke oder ähnliches schaffen oder sei es dadurch, dass wir im Rahmen des Möglichen unsere Räumlichkeiten öffnen und Möglichkeiten für Zusammenkünfte schaffen. So auch heute mit unserem ToGo Angebot – nur wenige Meter von hier entfernt.

Wenn also die Frage nach solidarischen Perspektiven in Zeiten der Krise gestellt wird, dann ist für uns klar: Eine Perspektive ist und bleibt der Aufbau & Erhalt von soziokulturellen Räumen, sowie die Etablierung eines solidarischen Miteinanders auf kultureller, politischer und sozialer Ebene.

In diesem Sinne laden wir euch gerne dazu ein das Stadtteilzentrum Gasparitsch mitzugestalten, gemeinsam für einen solidarischen Stadtteil und für ein solidarisches Miteinander einzustehen. Nicht nur am 1. Mai, sondern Tag für Tag!

< Zu den Reden

Grußwort der organisierten Autonomie aus Nürnberg

Von den Straßen Nürnbergs auf die Straßen Stuttgarts:

Wir senden euch solidarische Grüße von der revolutionären 1. Mai Demo in Nürnberg. Der 1. Mai ist der Tag, an dem wir unsere Wut, unseren Frust, unsere Hoffnungen und unsere Kämpfe für eine Welt jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung auf die Straße tragen. In diesem Jahr haben wir davon besonders viel im Gepäck:

Viel Wut weil wir sehen, wie der schönere Teil unseres Lebens in einen Lockdown versetzt wird während wir zugleich in den Großraumbüros, den Produktions-und Logistikstätten nach wie vor anzutanzen haben. Wut weil wir sehen, wie sich eine Wirtschaftskrise schon lange anbahnt. Nun wird sie in Form von Subventionen auf Kosten der Lohnabhängigen für die großen Konzerne abgefedert. Sie erhalten Milliarden, während sie uns auf die Straße setzen, sich auf unserem Rücken gesund sanieren und sich dann noch von der Staatskohle ihre Boni auszahlen!

Wir haben Frust darüber, dass die Pandemie ganz klar zeigt, dass wir eigentlich mit unserem Verhalten wenig Einfluss auf das Pandemiegeschehen haben wenn der Arbeitszwang weiterhin bestehen bleibt, die deutsche Bürokratie das Impfen verzögert und das Gesundheitssystem weiterhin durchökonomisiert wird als gäbe es keine Pandemie.

Aber auch die Hoffnung, dass diese Pandemie wie das viel zitierte Brennglas wirkt: es zeigt noch einmal eindeutig wie der Kapitalismus funktioniert. Damit das deutsche Kapital weiterhin auf dem Weltmarkt mithalten kann, gehen sie ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen. In den ArbeiterInnenvierteln haben wir eine viel höhere Gefahr zu erkranken und letztlich auch zu sterben. Es zeigt aber auch, wie Frauen in Krisensituationen sofort alles erkämpfte stehen und liegen lassen sollen und wieder brav zurück an Heim und Herd und Homeschooling kehren sollen. Es zeigt, wie ein kaputt gespartes Gesundheitssystem nur durch die Aufopferung der Beschäftigten funktioniert. Es zeigt auch, dass dieses System für diese Menschen nur Applaus übrig hat.

Und immer mehr lassen sich das nicht bieten, stehen auf und sagen diesem menschenverachtenden System den Kampf an: Tausende gehen am 8. März gegen Kapitalismus und Patriarchat auf die Straße, Klimagerechtigkeit wird regelmäßig von unzähligen Menschen eingefordert, ArbeiterInnen kämpfen, streiten und streiken für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, MieterInnen für die Enteignung der Immobilienkonzerne, PflegerInnen für die Abschaffung der Fallpauschalen und ein Ende der weißen Fabrik. Der 1. Mai ist der Tag, der all diese Kämpfe zusammenführt und sie zu einem lauten Schrei vereint: den Schrei nach der radikalen Umwälzung von allem, was ist. Der Schrei nach einer sozialen Revolution! Oder um es in den Worten Bertold Brechts zu sagen:

Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch!

< Zu den Reden

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